|
Die Geschichte des Boerboel. Einleitung: Im Lexikon wird man für einen Boerboel folgende Definition finden: ein großer Farmhund ungewissen Ursprungs. Glücklicherweise ist diese Einschätzung mittlerweile Geschichte. Der Hund Südafrikas, der Boerboel, ist heute eine anerkannte Hunderasse. Langwierige Untersuchungen haben ergeben, dass die Vorfahren des Boerboel bis zur Zeit Herdodots (444 v. Chr.) sowie bis nach Tibet, Assyrien und Babylon zurückverfolgt werden können. In Assyrien wurden Hunde als Soldaten eingesetzt, die zu ihrem Schutz sogar mit gepanzerten Harnischen ausgerüstet waren. Als Assurbanipal Ägypten eroberte, wurden diese Hunde ebenfalls mitgeführt und so in der damals bekannten Welt verbreitet. Der Boerboel gehört zu den Molossern, die, wie oben bereits angedeutet, vom Tibetmastiff abstammen. Später war Alexander der Große für die Verbreitung dieser Hunde in Europa verantwortlich. Offenbar erhielt er 326 v. Chr. als Geschenk 156 von diesen großen Hunden, die eigens dafür trainiert waren, um gegen Löwen und Elefanten zu kämpfen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich zwei definitive Typen dieser Hunde: Der Mastiff, der hauptsächlich als Soldat und zum Schutz eingesetzt wurde, und der Hund, der zu Jagdzwecken diente. Bei beiden Hundetypen handelte sich um starke, gut gebaute, große, echte Arbeitshunde, mit nur sehr geringen Unterschieden im Hinblick auf Aussehen und Bau. Es wird angenommen, dass alle heute bekannten Hunde der westlichen Welt von diesen beiden Hundetypen abstammen. Vor ungefähr 600 Jahren begannen die Europäer, speziell diese beiden Hunderassen zu züchten, aus denen durch Auswahl und Kreuzung zahlreiche weitere Rassen hervorgingen. Einige Hunde wurden speziell für die Jagd gezüchtet. Andere wiederum wurden dazu ausgebildet, die Jagdbeute zu apportieren oder das Vieh zu hüten. Darüber hinaus wurden die Hunde für zahlreiche weitere Aufgaben eingesetzt. Die Basis all dieser Hunde stellte jedoch noch stets die starke ursprüngliche Rasse der Vergangenheit dar. Als Jan van Riebeeck 1652 nach Südafrika kam, brachte er seinen eigenen starken Hund mit, der ihn und seine Familie in dem wilden Land schützen sollte. Dieser Hund, ein großer, schwerer Mastiff, war als "Bullenbeißer" bekannt. Zu dieser Zeit war der ursprüngliche Hund immer weiter modifiziert worden und zahlreiche Länder der westlichen Welt verfügten über eine eigene charakteristische Hunderasse. Die europäischen Siedler, die sich in der Zeit nach Jan van Riebeeck ansiedelten, brachten ebenfalls ihre stärksten Hunde mit, um sich und ihre Familien vor den zahlreichen unbekannten Gefahren des fremden Landes zu schützen. Dementsprechend gelangten Hunde aus vielen verschiedenen Ländern nach Südafrika. Als die Pioniere immer weiter ins Landesinnere zogen, um sich dort niederzulassen, wurden die Hunde notgedrungen isoliert und es kam zur Inzucht, die zur Folge hatte, dass die charakteristischen Eigenschaften des ursprünglich assyrischen Hundes wieder zum Vorschein zu kamen. Das Überleben war von allergrößter Bedeutung, worauf die Widerstandsfähigkeit des Boerboels (bis heute) zurückzuführen ist. Da es für die Hunde weder Tierärzte noch Medizin gab, waren sie in hohem Maße auf sich selbst angewiesen. Wie auf alten Zeichnungen zu sehen ist, zeichnete sich der Boerboel während des "Großen Trecks" durch seine besonderen Eigenschaften aus. Nach dem "Großen Treck" fand jedoch auf den abgelegensten Farmen weitere Inzucht statt, wobei nur die größten und stärksten Hunde überlebten. Seine Pionierbesitzer erwarteten von ihm, ein guter Freund der Familie, ein Arbeits-, Wach- und Kampfhund zu sein. Sie konnten es sich nicht leisten, einen unfolgsamen, launischen und kränklichen Hund zu besitzen. Sie mussten sich auf ihn verlassen können, dass er die Familie beschützte, arbeitete, tötete und kämpfte. Um 1900 begannen sich die charakteristischen Merkmale des ursprünglichen Hundes wieder deutlich abzuzeichnen. Dieser Hund war unter dem Namen "Bole" bekannt. Die folgenden Jahre wären dem Boerboel beinahe zum Verhängnis geworden. Die Landflucht (Urbanisation) führte zu zahlreichen Kreuzungen zwischen den verschiedenen Rassen, so auch beim Boerboel. Alles was bellen konnte, hatte sich miteinander gekreuzt, so dass der typische "Bole" auszusterben begann. Erst in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begab man sich erneut auf die Suche, um den ursprünglichen Farmhund wieder aufzuspüren. Darüber hinaus ist noch ein weiteres Stück Geschichte überliefert, dass eventuell ebenfalls für die Entwicklung des heutigen Boerboel von Bedeutung gewesen sein könnte. Und zwar die Tatsache, dass die Kolonie in britische Hände fiel. Im Jahre 1795 wurde das Kap von Großbritannien besetzt. Mit der Ankunft der britischen "Siedler" im Jahre 1820 kam es zu Kreuzungen zwischen Bulldoggen und Mastiffs, woraus der Bullmastiff hervorging. Der Bullmastiff wurde erst 1928 von De Beer zur Bewachung der Diamantminen nach Südafrika eingeführt. Außerdem ist überliefert, dass er im Jahre 1938 einen Championrüden eingeführt hat. Diese "Einwanderungshunde" haben zusammen mit den Hunden, die die Kolonisten von den Hottentotten erhalten haben, eine Rolle bei der Entstehung des Boerboel gespielt. Laut Überlieferung wurden diese Hunde nach dem "Anglo-Burenkrieg" im Jahre 1902 mit der englischen Bulldogge gekreuzt sowie Ende der vierziger, Anfang der fünfziger Jahre mit dem Bullmastiff. Diese Geschichte ist vor allem unter den Farmern des nordöstlichen Freistaats, von Nordnatal und in Teilen von Transvaal überliefert. Einige mutige Menschen ergriffen die Initiative, um die SABT (South African Boerboelbreeders Association = südafrikanische Vereinigung der Boerboelzüchter) zu gründen. Auch in Europa gibt es mittlerweile eine eigene Abteilung der SABT. Ihr Hauptziel war es, den ursprünglichen Boerboel wieder zwischen den anderen Hunderassen der Welt als einzigartige südafrikanische Hundrasse zu etablieren. Es folgte eine Suche, bei der Tausende von Kilometern zurückgelegt wurden. Die planmäßige Zucht begann. Viele Enttäuschungen folgten, aber auch immense Erfolge. Schließlich gelang es ihnen, den Hund unserer Vorfahren als reinrassig registrieren zu lassen. Inzwischen ist die SABT zu einer Vereinigung mit über 500 Mitgliedern angewachsen, die über ganz Südafrika und Namibia verstreut sind. Im August 1980 wurde von Jannie Bouwer aus Bedford und Lucas van de Merwe aus Kroonstad die erste Zuchtauswahltour durchgeführt. Die Frau von Lucas, Anneke, begleitete sie als Sekretärin. Es wurden insgesamt 5500 Kilometer zurückgelegt, um 250 Hunde zu untersuchen, von denen nur 72 zur Registrierung ausgewählt wurden. Der große Traum begann Form anzunehmen... |